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Patricia Smolka über ihr neues Buch: „Mich hat jeder Mensch berührt“

Erschienen am 30.03.2021 in der „Freien Presse“, Ausgabe Flöha

18 neue Kurzgeschichten hat Patricia Smolka im zweiten Band ihres neusten Buches veröffentlicht – Dafür führte sie viele Gespräche

Falkenau. 

Patricia Smolka ist Lehrerin am Gymnasium in Flöha, leitet dort die Theatergruppe und engagiert sich im Oederaner Hospiz. Jetzt hat sie auch den zweiten Band ihres Buches „Niemand nimmt dir deine Krone“ veröffentlicht. „Freie Presse“ sprach mit der Falkenauerin über ihr neues Werk.

Wie ist der erste Teil ihres Buches „Niemand nimmt dir deine Krone“ bei den Lesern angekommen?

Mich hat überrascht, dass es ausnahmslos positive Reaktionen meiner Leser auf die Geschichten gab. Ich bekam zahlreiche Einladungen zu Lesungen, die gut besucht waren und mich glücklich machten. Zuhörer fanden Parallelen zu ihrem eigenen Leben, und es kam zu guten Gesprächen in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Meine Lesung auf der Leipziger Buchmesse gehört zu den Höhepunkten in meinem Leben.

Patricia Smolka mit dem zweiten Band ihres Buches "Niemand nimmt dir deine Krone". Foto: Hendrik Jattke

Sie haben erneute zahlreiche Gespräche mit Personen unterschiedlichen Alters geführt. Die jüngste ist 15, die ältesten 93 und 98 Jahre alt – Menschen, wie wir ihnen alltäglich begegnen. Wo haben Sie diese Menschen getroffen?

Nicht alle meine Protagonisten wohnen in Mittelsachsen. Ich war stundenlang unterwegs, um einige von ihnen zu treffen. Monika etwa lebt mit ihrer Familie in Amerika. Wir unterhielten uns am Telefon. Vertrauen zwischen wildfremden Menschen kann entstehen, wenn beide authentisch sind und die Chemie stimmt. Und es braucht Zeit und Ruhe. Aus einigen Gesprächspartnern sind inzwischen gute Freunde geworden, mit den meisten habe ich immer noch Kontakt.

Welche der Geschichten hat Sie besonders berührt?

Mich hat jeder Mensch berührt und das, was er mir erzählen wollte. Mit Lydia nahm ich im Internet Kontakt auf. Wir schrieben uns lange Mails, bevor ich zu ihr fuhr. Ich glaubte, innerlich gewappnet zu sein, als ich ihr Zimmer betrat und wir uns zum ersten Mal sahen. Diese junge Frau ist der tapferste Mensch, den ich kenne.

Die Geschichten sind dem Ton der Protagonisten angepasst. Der Feuerwehrmann liest sich anders als das Ehepaar im biblischen Alter. Wie haben Sie dies geschafft?

Viele Gespräche zeichnete ich auf und hörte sie später ab. Beim Schreiben einer Geschichte versetzte ich mich in die Gefühls- und Erfahrungswelt meiner Schlüsselfigur und nahm sie wochenlang mit in meinen Alltag. Mit der jeweiligen Sprechweise kann ich das 

Temperament und das Wesen eines Menschen gut beschreiben. Bei einer Lesung sagte eine Zuhörerin: „Ich sehe die Menschen aus den Geschichten direkt vor mir.“ Für mich ist das ein großes Kompliment.

Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt. Die Frankfurter Buchmesse soll im Oktober 2021 maßnahmenbedingt eingeschränkt stattfinden. Haben Sie entsprechende Ausweichmöglichkeiten für Lesungen und Präsentationen finden können?

Darüber habe ich mich mit meinem Verleger vom Telescope Verlag unterhalten. Ich bin guter Dinge, dass in absehbarer Zeit Lesungen in kleinerem Rahmen möglich werden. Mit der Mittelsächsischen Kultur gGmbH bin ich diesbezüglich im Gespräch und freue mich über weitere Anfragen.

Haben Sie bereits Pläne für die kommenden Monate und Jahre? Ist vielleicht gar ein dritter Teil ihres Buches geplant?

Zurzeit bereite ich meine 40 Abiturienten auf ihre mündlichen und schriftlichen Prüfungen in meinem Fach vor. Auch die Schüler anderer Klassenstufen brauchen jetzt besonders viel Zuwendung. Ich werde auf jeden Fall weiterschreiben. Ein dritter Teil meiner „Krone-Geschichten“ ist nicht geplant. Mir schwirren viele Ideen im Kopf herum, die gerade Gestalt annehmen.

joro

Geschichten aus dem Leben gewöhnlicher Menschen

„Freie Presse“-Mitarbeiter Johannes Ross hat den zweiten Band des Buches „Niemand nimmt dir deine Krone!“ gelesen und rezensiert:

In Zeiten der pandemiebedingten Entfremdung und des „sozialen Distanzhaltens“ erscheint der Nachfolger einer Geschichtensammlung, die uns eigentlich fremde Personen nahbar macht. Patricia Smolka, Gymnasiallehrerin und Autorin aus Flöha, schrieb infolge positiver Resonanz auf den 2019 publizierten ersten Band „Niemand nimmt dir deine Krone!“ erneut 18 Kurzgeschichten aus dem Leben ganz gewöhnlicher Menschen auf.

Die Portraits sind grundverschieden. Sei es eine 15-jährige Schülerin, die im Stil eines Tagebuchs einen flüchtigen Einblick in ihre Gedankenwelt gewährt, oder ein junge Lehrerin, die kurz nach dem Einstieg in ihren Beruf von ihrem Arzt eine deprimierende Nachricht erhält. Gleichsam authentisch, in einem Wechselspiel aus gebotener Nähe und nötiger Distanz zur Person weiß Patricia Smolka, das Innerste dieser uns unbekannten, von ihr bewusst anonymisierten Personen wiederzugeben.

 

Die Autorin vollbringt es gekonnt, die Anekdoten sprachlich angemessen und mit dem nötigen Respekt wiederzugeben, ohne sich die Position ihrer Protagonisten zu eigen zu machen. Sie verschriftlicht, ohne zu werten und gibt dem Stoff, mag er auch wie im Falle eines Feuerwehrmanns etwas ungeschliffener, direkter Natur sein, eine gebührende Form. „Beim Schreiben einer Geschichte versetzte ich mich in die Gefühls- und Erfahrungswelt meiner Schlüsselfigur“, sagt Patricia Smolka.

Besonders eindrücklich offenbart sich der 33 Jahre alte Ex-Punker Axel. Die Kindheit, welche elterliche Liebe vermissen ließ und die von Gewalt und sexuellem Missbrauch geprägt war, führte ihn in einen Abgrund aus Drogenabhängigkeit, schlimmsten Verlusterfahrungen und dem lebensweltlichen Treibsand schwerer Depressionen. „Jeder von uns geht durch Höhen und Tiefen“, sagt die Autorin, „aber bei manchen sind die emotionalen Schluchten so entsetzlich tief, dass sie 

kaum herausfinden können. Mit Axel treffe ich mich immer noch und wir reden.“

Und doch finden sich in den Geschichten immer wieder überraschende Wendungen, etwa wenn die Schicksale der Protagonisten allem Unglück zum Trotze doch noch einen Funken Positivität aufglimmen lassen, wenn doch noch Kraft und Hoffnung aus einer schier ausweglos erscheinenden Lage geschöpft werden können.

In Zeiten des „pandemischen Imperativs“, in welchen wir Mitmenschen grundsätzlich als potenziell hochinfektiöse Lebensgefahr sehen und mit Abstand und Misstrauen begegnen sollen, ist Patricia Smolkas Buch eine willkommene Abwechslung. „Ich habe darüber nachgedacht, in einem längeren Vorwort auf die veränderte Lebenssituation einiger Protagonisten infolge der Coronapandemie einzugehen“, sagt sie, fügt dann aber an, dass „jeder von uns sich etwas Normalität wünscht, in der das C-Wort außen vor bleibt.“ (joro)

 

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